St.Sebastianus-Bruderschaft

Um das Jahr 1400 wurden am Niederrhein die ersten Schützengilden oder –bruderschaften gegründet. Es wurde zunächst angenommen, dass im Jahr 1475 vom Kurfürsten und Erzbischof Rupert die St.-Sebastianus-Bruderschaften im Erzstifte Köln allgemein eingeführt wurde, allerdings bestanden viele Bruderschaften auch schon vorher. Die Bruderschaften hatten, zumindest in unserem Gebiet, ihren Ursprung in hilfreicher, caritativer Verbrüderung. Leider ist eine Gründungsurkunde des Jahres 1451 aus Fischeln nicht mehr vorhanden. Man kann jedoch mit Sicherheit sagen, dass dieser Zeitpunkt stimmt. Aus dem Jahre 1453 gibt uns ein altes Kirchenbuch nämlich einen wesentlichen Hinweis über das Bestehen einer Bruderschaft unter dem Titel des hl. Sebastianus und der seligen Jungfrau Maria. Dort wird über ein der Bruderschaft gestiftetes Stück Land berichtet. Die Bruderschaft hat sich damals insbesondere durch die Stiftung der Sonntagsfrühmessen und den damit verbundenen Unterhalt der Vikarie verdient gemacht. Ihre Aufgaben sah die Bruderschaft auch in der Notwendigkeit der gegenseitigen Hilfe, z.B. bei der Brandbekämpfung, bei Krankheit und Seuchen. Armenfürsorge war ebenso ein Anliegen wie das Gebet für die Seelen der Verstorbenen, und natürlich auch der Schutz der Gemeinschaft gegen gewaltsame Bedrohung. Der Schutz gegen räuberische Überfälle war auch bitter nötig. Immer wieder zogen Truppen durch das Land, deren Einsatz für die Bevölkerung meist Raub, Brand, Mord und andere Grausamkeiten bedeutete. Mit Pfeil und Bogen schossen die Schützen früher, der hl. Sebastian wurde deshalb oft als Patron gewählt. Alten Überlieferungen zufolge gingen die Schützen bei der Fronleichnamsprozession „dem hochwürdigen Gute schirmend zur Seite“. Einem Bruderschaftsprotokoll (25.1.1846) entnehmen wir: „Ferner sind alle Brüder streng gehalten, an dem Tage der Fronleichnamsprozession bei dieser kirchlichen Feier sich einzufinden, und sollen sie sämtlich gleich hinter dem hochwürdigen Gut sich in mustergültiger Ordnung aufstellen.“ Einmal im Jahr wurde das Vogelschießen abgehalten. In alten Bruderschaftsregularien heißt es, „daß sich ein jeder Bruder mit gut Gewehr bei der Stange einfindet, um seine Schießkunst unter Beweis zu stellen“. Derjenige, der den Vogel herunter holte, wurde Schützenkönig und mußte eine Silberplatte stiften. Das Vogelschießen war verbunden mit einem Umtrunk, zu dem vielerorts der Schützenkönig ein Ohm Bier (um die 150 Liter) spendieren mußte, das aus „Teuten“ (Kannen) getrunken wurde. Mitunter gab es auch ein Festmahl mit Gebratenem und Gesottenem. Der König hatte auch gewisse Privilegien, z.B. war er bis zum nächsten Vogelschießen von Fron- und Spanndiensten befreit. Bei öffentlichen Aufzügen trug er das Schützensilber, dem er selbst – wie gesagt - eine Platte hinzuzufügen hatte.

Das Vogelschießen wurde dann wohl einige Zeit nicht mehr ausgeführt, denn am 25.2.1849 „stellten mehrere Mitglieder den Antrag, ob nicht wieder wie früher immer alljährlich geschehen, ein Königsvogel geschossen werden solle und wurde beschlossen, daß dies am Kirmesdienstag geschehen solle“ (Bruderschaftsprotokoll). Im Jahre 1732 waren aus dem Silber der Fischelner St.-Sebastianus-Schützen noch 32 Platten vorhanden. Ein Teil dieser Platten wurde Mitte des vorigen Jahrhunderts veräußert und zu einem Rauchfaß verwandt und „zu 5 Brudermeistern (Stäbe) verarbeitet, welche aber für immer Eigentum der Bruderschaft bleiben und bei Prozessionen nur bei der Bruderschaft und nur von den Vorstehern und Mitgliedern derselben getragen werden sollen“ (Protokoll vom 25.2.1849). Vier dieser Brudermeister-Stäbe sind vor einigen Jahren wieder aufgetaucht und im Bereich des Haupteinganges des Altenheimes „Saassenhof“ auf der Clemensstraße ausgestellt. Die älteste, heute noch vorhandene Platte mit der Jahreszahl „1740“ zeigt das vergoldete Brustbild des hl. Clemens mit Tiara und Anker und trägt die Inschrift: „ARD Heinr. Katterbach, Pastor in Vischelen 1740 et 1765“. Heinrich Katterbach starb 1767 und war beinahe 30 Jahre Seelsorger in Fischeln. Heute befinden sich noch 19 Silberplatten im Besitz der Bruderschaft. Die letzte (jüngste) Platte stammt aus dem Jahre 1889. Die Satzung der Bruderschaft ist im Laufe der Jahrhunderte stets nur vorsichtig an neue Zeiten angepasst worden, im Kern aber stets gleich geblieben. Im Jahr 1988 gab sich die Bruderschaft die Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Auch heute noch unterhält die St.-Sebastianus-Bruderschaft in Fischeln die sogenannten „Sieben Fußfälle“, d.h. Wegkreuze oder Andachtsstationen in der Feldflur und unterstützt die Pfarrkirche. Ihr Name wird untrennbar mit dem Seniorenheim „Saassenhof“ verbunden sein, denn hierfür stellte die Bruderschaft das Grundstück zur Verfügung.

Die Mitglieder des Bruderrates, die Brudermeister, bilden den Vorstand. Der Bruderrat setzt sich aus dem Ersten Brudermeister (Schriftführender Brudermeister) Dr. Peter Krings, dem Geschäftsführenden Brudermeister Thomas Brons, den Brudermeistern Franz Frenken, Benedikt Lichtenberg, Heinz Osterath und Heinz Undorf zusammen. Der geistliche Präses der Bruderschaft und als 7. Mitglied stimmberechtigt, ist jeweils der Pfarrer der St. Clemens Kirchengemeinde, momentan Georg Weigel.