Königsvogelschießen 2008
Die „alten Hasen“ sind sich einig: „Das gab es schon öfters!“: Unmittelbar nach einem Schützen- und Heimatfest gibt es ausreichend Bewerber für einen Königsschuss im folgenden Jahr. Je näher der Termin aber dann kommt, um so mehr lichten sich die Reihen.
Im Jahr 2008 sah es dann wirklich ernst aus. Bis zu dem in der Satzung verankerten Termin (23.06.) hatte sich kein Bewerber gemeldet, so konnte man aus den Reihen des Vorstandes hören. Noch eine Woche vor dem Königsvogelschießen erntete man auf Nachfragen nur ein allgemeines Kopfschütteln. Jetzt wurde die Lage brenzlig. Vorstand und Offizierskorps trafen sich 2 Tage vor dem Termin zu einer „Notlage“-Sitzung. Dort sollen bereits Szenarien für den Fall „X“ besprochen worden sein. Im „Dorf“ wurden derweil noch Namen gehandelt, die selbst offenbar nicht im Traum daran gedacht hätten.
„Wer wird Nachfolger von Theo Wirtz?“, das war die entscheidende und alles bestimmende Frage. „Später vielleicht – aber diesmal nicht“, war die am meisten gehörte Antwort auf die entsprechende Frage.
Samstag, 23. August 2008, 15:30 Uhr: Die Schützen treffen sich zum ökumenischen Gottesdienst mit den Pfarrern Georg Weigel und Thomas Stockkamp in der Pfarrkirche St. Clemens. Ein Platzregen geht nieder. Die Schützen sind im Gotteshaus gut behütet. Unter den Klängen des „Liedes von guten Kameraden“ wird zum Abschluss ein Kranz niedergelegt. Kein Königsbewerber in Sicht …
16:15 Uhr: Die Schützen treten zu einem kurzen Festzug auf der Clemensstraße an. Mit dem Tambourkorps Gut Schlag und dem Blasorchester TV Jahn Bockum zieht man zum Festzelt auf dem Marienplatz, wo bei der Herbstkirmes schon hunderte von Besuchern warten. „Gibt es einen …?“
16:30 Uhr: 1. Vorsitzender Benedikt Lichtenberg schreitet (offensichtlich gut gelaunt) zur Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste, unter ihnen auch Bürgermeisterin Karin Meincke. Es werden weiter Namen gehandelt …
16:40 Uhr: Ganz majestätisch – Schützenkönig Theo Wirtz hat mit seinen Ministern Ralf Feldt, Peter Nier und Heinz-Willi Wallrafen das Anrecht, als erster auf den von Schützenbruder Hans-Joachim Knetsch gebauten prächtigen Vogel zu schießen und ist fortan nur noch „Schütze Wirtz“. Die Königskette wird abgelegt und liegt jetzt bereit für einen Nachfolger – aber wer?
17:00 Uhr: Die Kompanien legen auf den Holzvogel an. Unter den 360 aktiven Schützen müsste sich eigentlich ein (noch „geheimer“) Aspirant befinden. Als erstes Ziel wird der rechte Flügel anvisiert.
17:15 Uhr: Plötzlich fällt der Schwanz des Holzvogels … Schießmeister und –Aufsicht Ferdinand Prahl (Schill-Offiziere) hat sich nicht an die Absprache gehalten und sein eigenes Ziel gesucht. Organisationsleiter und Moderator Jürgen Schick übergab ihm dennoch für die Schill-Offiziere den Gutschein für eine flüssige Belohnung …
18:15 Uhr: Zügig geht das Vogelschießen voran. Ehrenmitglied Josef Fahnenbruck (83 Jahre) holt für die Hubertusschützen den rechten Flügel herunter … Ein weiterer Gutschein wird fällig.
18:30 Uhr: Die Kompanien sind durch. Eine Meisterleistung der Organisation, für die Manfred Nitsch, Ferdinand Prahl und Jürgen Schick verantwortlich waren. Jetzt wird es spannend. Der Vogel wird abgenommen und das Zepter aufgesteckt. Jürgen Schick erläutert über das Mikrofon. Noch ist der Schießstand bis auf das Orga-Team leer …
18:40 Uhr: Eine Gruppe junger Schützen, begleitet von den in Schwarz gekleideten 1. Vorsitzenden Benedikt Lichtenberg und 2. Vorsitzenden Wilfried Werthmann, betreten den Schießstand. Einmal Blau-Schwarz bedeutet „Schill-Offiziere“, dreimal Dunkelblau heißt „Marine-Korps“. Blau-Schwarz tritt an das Kleinkaliber-Gewehr, zielt und drückt ab: „Es lebe der neue Schützenkönig Daniel Frenkler, Schill-Offiziere!“
Schill-Major Daniel Frenkler ist noch nicht ganz 27 Jahre und damit der drittjüngste Schützenkönig in der Geschichte der Bürger-Schützen-Gesellschaft. Königin ist seine Lebensgefährtin Stephanie Nettelnstroth. Die Minister stellt das 1. Marine-Korps, das erst seit 2005 besteht: Michael Behneke mit Gattin Meli, Markus Dettmann mit Gattin Anja und Maik Hellenbrandt.
Beim abendlichen Krönungsball hatte die Fischelner Bevölkerung dann Gelegenheit, dem neuen Königshaus unter den Klängen der „Rhein-River-Band“ zu huldigen. Die ersten Ehrentänze wurden mit Bravour bewältigt.
Am anderen Morgen sah man dann beim „Bürger-Schützen-Treff“ allseits zufriedene Gesichter. „Ein junges, dynamisches Königliches Haus ist das Beste, was der Bürger-Schützen-Gesellschaft passieren konnte“, so der 1. Vorsitzende Benedikt Lichtenberg. Der Musikverein Schenkelberg aus dem Westerwald unterhielt die Besucher mit hervorragender Musik.
Doch auch an diesem Sonntagmorgen war auf dem Schießstand „action“ angesagt. 18 Jugendliche waren angetreten, um den Jung-Schützenkönig zu ermitteln. Und man merkte schnell: hier ist Ehrgeiz im Spiel. Der Holzvogel zeigte sich hartnäckig. Zwar gelang es schnell, die beiden Flügel und den Schwanz abzuschießen. Doch dann wurde das Rennen zäh. 5 Mitglieder der Jugendabteilung legten es jetzt darauf an, Nachfolger von Philipp Weenen zu werden, dem es vor 2 Jahren gelang, den Vogel herunter zu holen.
Die Presse wurde bereits ungeduldig, als um 13:20 Uhr der Holzvogel noch keine Anstalten machte, den in schneller Folge vom Luftgewehr abgegebenen Schüssen nachzugeben. Doch dann ging alles ganz schnell. Der 14jährige Marcel Blaschzyk (18. Kompanie) setzte den alles entscheidenden Schuss unter dem Jubel der vielen Zuschauer. Einer der ersten Gratulanten war Schützenkönig Daniel Frenkler: „Wir freuen uns jetzt auf ein tolles Schützen- und Heimatfest im Jahr 2009 …“
Mehr...gibt es hier: http://www.koenigshaus-fischeln.de
Die ersten Fotos: Hier

