Fischeln hat einen neuen König
Montag, 6. Juli 2026 von Thomas Brons
Engelbert Hallmann ist neuer Schützenkönig
Beim Jubiläumswochenende strahlte Fischeln mit der Sonne um die Wette
Hätte der Marienplatz im Herzen Fischelns nicht bereits eine unschlagbare Namensgeberin, müsste man ihn spätestens jetzt in „Platz der Könige“ umbenennen. Wohl nie zuvor gaben sich so viele „gekrönte Häupter“ dort die Klinke in die Hand wie in den Tagen, an denen die St. Sebastianus-Bruderschaft an St. Clemens 1451 Fischeln e.V. und die Bürger-Schützen-Gesellschaft 1451 Fischeln e.V. gemeinsam ihr 575 jähriges Jubiläum feierten. Diesmal hatten die Festtage sogar eine überörtliche Bedeutung, denn neben den internen Wettbewerben waren die beiden genannten Institutionen auch Gastgeber bei der Ermittlung des Krefelder Stadtschützenkönigs. Bei einer solchen Flut an richtungsweisenden Ereignissen fällt es fast schwer, jedem Einzelevent die ihm zustehende Bedeutung zu geben, ohne andere zu vernachlässigen. Also am besten chronologisch.
Schütze ist man nicht mit dem Auge, sondern mit dem Herzen
Der am häufigsten benutzte Wahlspruch an diesem Wochenende charakterisiert gleichermaßen die Zielsetzungen und Schwerpunkte der Sebastianus-Bruderschaft und der Schützen-Gesellschaft. Beim großen Empfang im Festzelt am Donnerstag waren zahlreiche Gratulanten und befreundete Vereine zu Gast. Als Höhepunkt hielt Ratsfrau Britta Oellers MdL die Festansprache und überreichte den Verantwortlichen die Ehrenplakette des Landes NRW. Der 1. Brudermeister Karl-Josef Ruland und der Schützen-Vorsitzende Klaus Hess betonten in ihren Statements die gemeinsame Historie, die Mitte des 15. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Richtete die Bruderschaft fortan ihre Leitlinien an der Förderung gemeinnütziger und caritativer Zwecke aus, galt für die Schützen, die aus der Fusion der Bruderschaft mit dem Junggesellen-Schützenverein hervorgingen, das Gemeinschaftserlebnis und das eher weltlich ausgerichtete Handeln und Denken im Vordergrund. Beides ergänzte sich über die Jahrhunderte optimal. Die Bruderschaft, die übrigens nicht nur den Menschen katholischen Glaubens offensteht, sichert bis heute satzungsgemäß zahlreiche Einrichtungen durch jährliche Spenden im hoch fünfstelligen Bereich in ihrer Existenz. Will man sich darüber hinaus im Fischelner Gesellschaftsleben einbringen, ist man dort, wo bunte Uniformen, Frohsinn und Freude am gemeinsamen Feiern das Bild bestimmen, bei den Schützen am „place to be“. Wobei es sehr zahlreiche personelle Überschneidungen gibt, denn nur einer der beiden Einrichtungen zugetan zu sein, ist eher die Ausnahme.
Bilder sagen mehr als tausend Worte
Ein neu gestalteter Imagefilm erlebte an diesem Abend seine Premiere auf der großen LED-Wand im Festzelt. Der Film, der auch auf der Homepage der Schützen zu finden ist und manchem im Publikum das eine oder andere Tränchen in die Augen trieb, erzählt von der Begegnung und dem Miteinander der Generationen und bringt manches große Ereignis und viele lebende und verstorbene Fischelner Persönlichkeiten in Erinnerung.
Beim Dorffest regierte die Jugend
Der Freitagabend stand ganz im Zeichen derer, die die Vorzüge ihrer Jugend und ihres Jung-Geblieben-Seins genießen. Selten war der Zuspruch aus Reihen der Zukunftsgeneration so groß und stimmungsvoll. Bis tief in die Nacht erbebte der Marienplatz. Die sozialen Medien hatten ganze Arbeit geleistet und Unzählige auf die Beine und die Tanzfläche gebracht. Erfreulichster Aspekt: der Ordnungsdienst hatte ein sehr waches Auge auf die Jugendschutzbestimmungen und sorgte für Disziplin, so dass die Veranstaltung weitestgehend störungsfrei und friedlich verlief. Es geht also!
„Was ist ein Schütze? Warum bin ich Schütze?“
Im jährlichen Wechsel suchen die Schützen und die Sebastianusbrüder und -schwestern vor oder während ihrer Veranstaltungen ihren göttlichen Beistand in der kath. Pfarrkirche St. Clemens oder – wie auch diesmal - der ev. Markuskirche. Pfarrer Lukas Siebenkotten und Kaplan Marco Lennartz hatten zum ökumenischen Gottesdienst eingeladen. In einer viel beachteten und ebenso viel gelobten Predigt ermahnte Kaplan Lennartz die Anwesenden, ihre Rolle zu hinterfragen und ihre tiefe Überzeugung an die Stelle von Automatismen zu stellen. Er schlug den historischen Bogen zur biblischen Hochzeit zu Kana, bei der Jesus der Überlieferung nach sein erstes Wunder vollbrachte und Wasser in Wein verwandelte. Er habe dies, so Kaplan Lennartz. nicht getan, um im Mittelpunkt zu stehen oder einen Selbstzweck zu erfüllen, sondern um den Fortgang der Feier sicherzustellen und den Gästen ihr gemeinschaftliches Erleben und Feiern zu ermöglichen. Dies müsse auch die Motivation derer sein, die – wie die Schützen - heute Verantwortung für das gesellschaftliche Miteinander trügen.
Dann wurde scharf geschossen
„Peter, den Bolzen!“ hieß es früher in der legendären Show „Der Goldene Schuss“ von Lou van Burg. Heute heißen die Schießmeister nicht Peter, sondern Karl Schmelzer in Philipp Remann. Sie garantierten einen optimalen Ablauf des ersten sportlichen Highlights, nämlich der Ermittlung des Stadtschützenkönigs. 10 Bewerber aus ganz Krefeld, die schon einmal die lokale Königswürde ihres Stadtteils innehatten, standen auf der Bewerberliste. Wie aus dem Nichts sank der Vogel nach nicht allzu langer Zeit zu Boden. Entsprechend groß war der Jubel bei Peter Schmidt von den Historischen Schützenbruderschaften Hüls 1464-1597 e.V., der den entscheidenden Treffer setzte und sich nun auf eine vierjährige Amtszeit freuen darf. Umso mehr, als ihm dieses Kunststück am Tag seines 76. Geburtstages gelang.
Abschied mit Wehmut und Erleichterung
Am Abend dann der Königsball, bei dem Christopher Schiffer letztmalig sein Gefolge auf den Fischelner Königsthron führte, um sich von seinen Untertanen zu verabschieden. Wie man ihn kennt, tat er dies nicht ohne einen überschwänglichen Dank an alle Wegbegleiter. „Vor 20 Jahren war ich Tell-Schütze und wurde Kinderkönig. Seither hatte ich den Traum, einmal ein richtiger Schützenkönig zu werden. In den letzten 2 Jahren hat sich dieser Traum in einer Weise erfüllt, die ich nicht für möglich gehalten hätte“. Aber auch eine gewisse Erleichterung, dass nun die zeitlichen und körperlichen Belastungen als Schützenkönig ein Ende finden würden, war ihm anzumerken. Gemeinsam mit seinen Ministern Holger Hannappel und Maurice Münks überreichte er dem 1. Vorsitzenden Klaus Hess eine neue individuell gestaltete Plakette zur Vervollständigung des Königssilbers und in Anspielung auf die Jahre seiner Regentschaft einen Scheck über 2.425,- €. Auch OB Frank Meier betonte in seiner Gastrede die stetig positive Entwicklung des Fischelner Schützen- und Gemeinschaftswesens sowie die Öffnung hin zu allen Generationen.
„Der König ist tot, es lebe der König“
Gottlob erfreut sich Christopher Schiffer noch bester Gesundheit, doch im übertragenen Sinn musste nun ein neuer Regent ermittelt werden - genau gesagt 2 -, um die lange Reihe der Tradition fortzusetzen. Wie immer brodelte die Gerüchteküche und wie immer gab es manche, die alles schon im voraus ganz genau wussten. Bei der Suche nach einem neuen Jungschützenkönig und Nachfolger für Niclas Tilmes kannte der Eifer kaum Grenzen. Mehr als 40 Jungschützen gingen an den Start, Eltern und Großeltern hielten den Atem an. Schon bald vollführte der Vogel eine 180 Grad-Wendung und alle rechneten mit einer schnellen Entscheidung. Doch es dauerte noch geraume Zeit, ehe der 19 jährige Moritz Maus den finalen Treffer setzte und sich nun Jungschützenkönig nennen darf. Notiz am Rande: der langjährige Jugendleiter Kalle Saßen, der die zukunftsweisende Arbeit mit der nachwachsenden Generation erst so richtig auf die Schiene setzte, wurde von seinen Schützlingen besonders herzlich und mit einem wertvollen Geschenk verabschiedet.
Nicht minder spannend der Verlauf bei den „Altgedienten“. Was einige besonders schlaue Spatzen schon von den Dächern gepfiffen hatten, sollte sich am Ende tatsächlich erfüllen. Kein Geringerer als Regimentskommandeur und Schützenoberst Engelbert Hallmann trug am Ende das Königssilber in sein Zuhause, das auf der Niederbruchstraße liegt und dem Namen Königshof damit eine ganz neue Bedeutung gibt. Auf den Dachdeckermeister mit eigenem Betrieb, seine Königin Stefanie, die Minister Wolfgang Wißmanns und Jan Bauer, die am Abend offiziell vorgestellt wurden, sowie die 13. Kompanie wartet nun eine Menge Vorbereitung und der hohe Anspruch an Kreativität und Ausdauer, um die hohen Erwartungen der Schützenfamilie zu erfüllen.
br.
